Schlagwort: Freiheit

  • Das System hat funktioniert – nur nicht für mich

    Es war anders geplant.
    Eigentlich wollte ich noch länger in dieser Phase bleiben, schreiben, aufarbeiten, ankommen.
    Aber das Leben hat mich überholt. Oder vielleicht bin ich einfach aufgewacht – plötzlich, schmerzhaft, aber klar.

    Ich habe in kurzer Zeit so viel verstanden, dass ich es selbst kaum glauben kann.
    Dass das System, in dem ich groß geworden bin, **funktioniert** hat – ja, für sich betrachtet.
    Aber eben nicht für mich.

    Ich habe versucht, mich einzupassen.
    Gelernt, brav zu sein. Perfekt. Funktionierend.
    Bis mir mein eigener Schmerz gezeigt hat: Ich will da nicht mehr rein.
    Und: Ich *passe da nicht rein*.
    Nicht, weil ich falsch bin – sondern, weil das System nicht für Menschen wie mich gemacht ist.

    Es wäre einfacher, zurückzugehen.
    Zurück in das, was ich kenne.
    Aber dieses „Zurück“ existiert nicht mehr – weil ich erkannt habe, dass es mich krank gemacht hat.
    Weil ich es jetzt **anders weiß**.
    Und Wissen verändert alles.

    Ich habe gelernt, dass man manchmal Menschen nicht einmal einen Vorwurf machen kann.
    Denn oft geben sie nur weiter, was sie selbst nie hinterfragt haben.
    Sie handeln, wie sie selbst geprägt wurden.
    Und doch – nicht jeder Mensch passt in jedes System.
    Und nicht jedes System darf bestimmen, wer du bist.

    Ich sehe das auch bei meiner Tochter.
    Sie passt nicht in die Regelschule – und das ist kein Mangel, sondern eine Wahrheit.
    Montessori, Waldorf, andere Wege: Es gibt sie.
    Und ich bin dankbar, dass ich sie ihr öffnen kann.
    Ich bin für sie Mama, aber auch Freundin. Kein Druck. Kein Zwang. Keine Form, in die sie sich pressen muss.
    Etwas, das ich selbst nie erleben durfte.

    Und ja – ich werde meinen Vater vermissen.
    Nicht den Menschen, wie er heute ist, sondern das Bild, das ich als Kind in mir trug.
    Den Helden. Den Beschützer. Den, der alles weiß, alles kann.
    Doch heute sehe ich: Auch er war gefangen.
    Auch er ließ sich klein machen, manipulieren – nur um zu gefallen.
    Ich habe versucht, ihn zu retten.
    Lange.
    Aber das ist nicht mehr meine Aufgabe.
    Es war es nie.

    Jesus sagt in der Bibel:
    „Verlass alles – auch deine Familie – und folge mir.“
    Ich habe das früher nicht verstanden.
    Heute vielleicht ein bisschen mehr.
    Denn Blut allein macht keine Heimat.
    Und Familie ist nicht immer das, was sie sein sollte.

    Jetzt bin ich dran.
    Mit 45.
    Es tut weh.
    Aber es ist richtig.

    Und wenn es schwer wird – und das wird es –
    weiß ich trotzdem: Ich werde meinen Weg finden.
    Vielleicht nicht laut. Vielleicht nicht perfekt.
    Aber **echt**.

    Und das genügt.

    **Und dann breitet sie ihre Flügel aus,
    schaut noch einmal zurück –
    und fliegt los.**