Ein Beitrag über das Fallen, das Vergessen – und das, was bleibt
Es gibt Tage, die tragen ein stilles Gewicht.
Nicht, weil etwas Schlimmes passiert –
sondern weil etwas fehlt, das früher Bedeutung hatte.
Ein Datum. Ein Abschied. Ein Kapitel, das leise zu Ende ging,
fast unbemerkt.
Und man wundert sich, dass es nicht mehr wehtut.
Oder anders.
Vielleicht liegt es daran, dass man gerade mit einem anderen Abschied beschäftigt ist.
Dass man Stück für Stück loslässt,
was einem einmal Halt gegeben hat:
Menschen, Rollen, Sicherheiten.
Die kleinen Anker des Lebens.
Und plötzlich steht man da.
Zwischen dem, was war – und dem, was noch nicht ist.
Im Niemandsland des Dazwischen.
Mit offenen Händen.
Und leeren Taschen.
Aber manchmal reicht eine einzige Verbindung.
Ein Mensch, der dich sieht.
Eine Stimme, die trifft.
Ein Satz, der bleibt:
„Mama, wenn man ganz unten angekommen ist, kann man wieder aufsteigen.“
Diese Worte kamen nicht aus einem Buch.
Nicht von einem Therapeuten.
Sondern von meiner Tochter.
Klar. Einfach. Wahr.
Vielleicht, weil ihre Seele schon durch eigene Dunkelheit ging.
Vielleicht, weil sie in mir sieht, was ich vergessen habe.
Und da kam mir ein Bild – das Bild eines Baumes.
Ein Baum blüht nicht immer.
Er trägt nicht ständig Früchte.
Er steht nicht durchgehend in voller Pracht.
Es gibt Zeiten, da ist er leer.
Still.
Entblättert.
Wurzeln tief, Krone nackt.
Und doch – in ihm schlummert alles.
Versteckt. Bereit. Wartend.
Bis das Leben zurückkehrt.
Vielleicht bin ich gerade wie dieser Baum.
In der Winterruhe meiner Seele.
Noch nicht erblüht. Aber lebendig.
Noch nicht angekommen. Aber unterwegs.
Vielleicht ist genau das der Anfang vom Aufbruch.
Nicht heldenhaft. Nicht laut.
Aber echt.
Und getragen von einem unsichtbaren Band,
das mich erinnert, wer ich bin.

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